Geschichtlicher Rückblick

Mit dem Rückzug der letzten Gletscher zum Ende der Würmzeit vor ca. 10.000 Jahren verringerten sich auch die Wassermengen von Rhein- und Schwarzwaldflüssen. Der Rhein bereitete sich nicht mehr über die ganze Ebene aus, sondern begann sich etwa in der Mitte zwischen Schwarzwald und Vogesen, und zwischen Kraichgau und Pfälzer Hardt in die Kiese und Sande der Niederterrasse in breiten Mäandern einzugraben. Mit dem Einschneiden des Rheines in die Niederterrasse etwa Anfang der Holozän, vor ca. 5.000 Jahren, begann die Ablassung des Sandes aus den Kiesen und ihre Verbreitung entweder als Flugsanddecke oder angehäuft als Düne. Zur damaligen  Zeit herrschte im Oberrheingraben ein vegetationsfeindliches Klima, denn Bedingungen für die Ausblasung der Sande war eine fehlende Vegetationsdecke.
Das Alter der Flugsanddünen wird anhand von bronzezeitlichen Kulturgeschichten in Dünen östlich von Mannheim auf höchstens 4.000 Jahren geschätzt. Man findet diese Flugsanddünen im Rheingraben zwischen Rastatt und Taunus.

Der Forlenbuckel in Weiher, die etwa sieben Meter hohe Sanddüne, die ihren Namen von den Kiefern (im Volksmund Forlen) erhielt die auf der Kuppe standen, liegt im Gewann Storchennest. Auf einem Kartenausschnitt aus dem Jahre 1878 ist der Forlenbuckel in diesem Gewann der übrigens zum ersten mal im Schatzungsbuch von 1754 erwähnt ist, zu sehen.

Nach dem Kriege, im Jahr 1945, wurde diese natürliche Sanddüne nach und nach abgetragen und das Material für Baumaßnahmen verwendet. Bereits nach wenigen Jahren war an Stelle des einstigen Hügels ein tiefes Loch entstanden.

Die Idee zur Wiederherstellung

Den älteren Einwohner von Weiher ist der Forlenbuckel, der gerne zu einem Spaziergang genutzt wurde noch in guter Erinnerung. Den etwas Jüngeren ist nur noch eine leichte Anhebung mit einem tiefen Loch im Gedächtnis. Der Jugend ist der Forlenbuckel schon ein Fremdwort. Das wäre auch so geblieben, wenn nicht Altbürgermeister und Ehrenbürger Ludwig Simon, der sich heute noch gerne an die abendliche und sonntäglichen Spaziergänge auf dem Forlebuckel erinnert,  die Wiederherrichtung des Forlenbuckels in die Wege geleitet hätte. Auf seine Initiative hin wurde anfangs der 80ziger Jahre mit der Planung und Wiederherrichtung begonnen.

Planung und Wiederherstellung

Viele Planungsvarianten und Vorschläge wurden geprüft und diskutiert. Abstimmungen über die Gestaltsgebung zwischen dem Landesamt für Flurbereinigung , dem Umweltamt der Gemeinde und den Vertretern des Naturschutzes waren erforderlich. Die endgültige, sachgerechte Planversion zu finden war dabei nicht ganz einfach. Schließlich galt es, die unterschiedliche Erwartungen und Wünsche vom Aspekt des Naturschutzes bis hin zur Erholungsstätte im Plan zu verwirklichen - und das mit möglichst geringen Baukosten.
Auf einer Fläche von rund 7.000 Quadratmeter wurden 10.000 Tonnen Sand angefahren und mit schweren Baumaschinen modelliert. Die Kosten wurden von einer nahegelegten Firma im Rahmen eines Ökoausgleiches erbracht. Die Bepflanzung wurde vom Flurbereinigungsamt Sinsheim mitgetragen. So blieb zum Schluss für die Gemeinde ein noch erschwinglicher Kostenanteil übrig.

 

Der Forlenbuckel heute

Der heutige Forlenbuckel, der durch wissenschaftliche Begleituntersuchung  von Diplombiologe Dr. Hans Horn begleitet wird, ist aus einer Gestaltungsplanung des Landesamtes für Flurbereinigung aus dem Jahre 1990 ersichtlich.
Unter Berücksichtigung der Hauptwindrichtung aus Südwesten bis West, wurde das Gelände von Westen her flach ansteigend und dann kuppelförmig relativ wieder steil abfallend modelliert. Diese Wellenbewegung wiederholt sich insgesamt viermal und wegen des Sondertyps einer Sanddüne entstand dort eine artenreiche Pflanzenflora. Die typisch vorkommenden Arten der Sand-Rasen-Fluren sind heute vielfach in der "Roten Liste" enthalten und gerade aus diesem Grunde ist für sie wieder ein idealer Standort geschaffen worden. Die windgeschützten Einbuchtungen bilden ein spezielles warmes Kleinklima. In den angelegten Bäumen, Hecken und der Magerflora fanden die unterschiedlichsten Vogelarten, Heuschrecken, Kleinwild usw. ihre Heimat.
Mit der Entfernung des Begrenzungszaunes im September 2000 ist der Forlenbuckel für die Bevölkerung als uneingeschränktes Naherholungsgebiet freigegeben.
 

Die Arbeiten des Vereins der Vogelfreunde Weiher

Der Verein der Vogelfreunde Weiher betreibt seit seiner Gründung im Jahre 1956 aktiven Vogel- und Naturschutz. Daher war es für den Verein selbstverständlich, dass er sich unmittelbar nach dem Beginn der Wiederaufschüttung der ehemaligen Sanddüne um die Übernahme der Patenschaft zur Pflege bei der Gemeinde bewarb. Dies wurde von der Gemeinde Ubstadt-Weiher sehr begrüßt und die Patenschaft wurde in das "Arbeitsprogramm Vereine" aufgenommen.
Nach der Bepflanzung hat das Amt für Flurbereinigung eine vegetationskundliches Untersuchungsprogramm um die Entwicklung der Flora zu erfassen in Auftrag gegeben. Die notwendigen Arbeiten wurden 1991 und 1992 vom Landschaftspflegetrupp der Gemeinde durchgeführt. Am 19. Juni 1993 war es dann soweit. Nach einer vorangegangenen Begehung mit dem Vertreter der Gemeinde Herrn Schwarz und dem wissenschaftlichen Begleiter biotop_1Herrn Dr. Horn wurden die Arbeiten durch den Verein der Vogelfreunde übernommen.
Ziel der Pflegemaßnahmen war und ist es, eine gelenkte Folge von Pflanzengesellschaften zu unterstützen, welche im Endeffekt der Vegetation von Sandrasenfluren, sowie typischen Tierwelt, die Voraussetzung zu schaffen.
Hierbei wurden bis heute in ca. 1900 Arbeitsstunden eine manuelle Bekämpfung von unerwünschten Wildkräuter durchgeführt. Die Bilder zeigen Mitglieder des Vereins in den Anfangsjahren beim entfernen von Melden, Disteln und andere nicht erwünschten Unkräuter. Mit dieser Maßnahme wird erreicht, dass die gepflanzten Sträucher und Bäume die notwendige Luft für das Wachstum erhalten und sich auf der Magerflora die typische Sandrasenflora entwickeln kann.
Die Pflege des wiedergeschaffenen Biotops "Forlenbuckel" ist nun seit 1993 ein weiterer Schwerpunkt des Vereins zum Erhalt der Natur und Umwelt.

Für seinen Beitrag zum Umweltschutz  wurde der
Verein der Vogelfreunde Weiher im Jahre

 1995 mit dem 4. Preis des Kreisumweltschutzpreises 
 "Biotope aus zweiter Hand"
und
2005 mit dem 4. Platz des des Kreisumweltschutzpreises
“Trockenbiotope” ausgezeichnet.

2011 erhielten wir den Naturschutzpreis des Verbands Deutscher Waldvogelpfleger
und Vogelschützer LV-Baden Würtemberg

biotop_6

 

biotop_5

Vogelfreunde Weiher feiern 10-jähriges Pflegejubiläum am Forlenbuckel

Aus einem Loch wurde wieder ein Sandbuckel
Bericht der Gemeinde Ubstadt-Weiher

 Einem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass Weiher im wahrsten Sinne des Wortes vor 10 Jahren einen neuen "Höhepunkt" bekam. Der Forlenbuckel hatte den Pfarrberg als höchste Erhebung in Weiher abgelöst. Bis in die 50er Jahre war der ursprünglich vom Volksmund so genannte "Forlenbuckel" als Überbleibsel der letzten Eiszeit vor den Toren Weihers vorhanden gewesen. Die ehemalige Flugsanddüne, die mit Kiefern, im Volksmund Forlen genannt, bot auch einer bedrohten Flora und Fauna, welche auf trockenarme Standorte angewiesen sind entsprechenden Lebensraum. Mit einer regen Bautätigkeit nach dem Krieg war das Schicksal dieser Sanddüne besiegelt. Diese wurde kurzerhand als Lieferant für Baumaterial verwendet und nach wenigen Jahren war anstelle des einstigen Hügels ein tiefes Loch entstanden.

 Auf Anregung von Altbürgermeister Ludwig Simon hin, hat sich die Flurbereinigung die Wiederherstellung dieser Sanddüne zur Aufgabe gemacht, eine landschaftspflegerische Maßnahme, die in das Biotopverbundsystem der Gemeinde Ubstadt-Weiher eingeflossen ist.

 So richtig gelingen wollte das Werk anfangs jedoch nicht. Zur Modellierung des Dünenkörpers fehlte es schlichtweg an Sand. Die Lösung brachte eine Ausgleichsmaßnahme nach dem Naturschutzgesetz. Aus der Nachbargemeinde standen plötzlich im Rahmen einer Kiesgrubenerweiterung große Mengen Abraummaterial zur Verfügung. 1993, nach der endgültigen Fertigstellung, fand die offizielle Übergabe statt. Um die Entwicklung von Flora und Fauna auf dem Trockenbiotop zu dokumentieren, wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben. Bereits nach kurzer Zeit konnte von ersten Erfolgen berichtet werden. Grabwespen und Dünenlaufkäfer hatten sich wieder angesiedelt.

 10 Jahre hatte nun der Forlenbuckel Zeit gehabt zu "reifen". Es war klar, dass bei der Flora noch etwas nachgeholfen werden musste. Überall sprießten Melden und andere Pflanzen der Ruderalvegetation und mussten, um die sandrasentypische Vegetation zu unterstützen ausgemerzt werden. Dies war die Geburtsstunde für die Idee des Vereins der Vogelfreunde Weiher, die Übernahme einer Nachfolgepflege im Rahmen einer Patenschaft zu betreiben. Bei einer kleinen Feierstunde auf dem Forlenbuckel zog der erste Vorsitzende des Vereines, Dieter Holzer, jetzt Bilanz. In über 1.000 Arbeitsstunden musste die Sanddüne "aus zweiter Hand" jährlich ein bis zweimal gemäht werden. Ganz wichtig ist es, so Holzer, das Mähgut abzufahren um dem Standort ständig Nährstoffe zu entziehen und somit die Sandrasenvegetation zu fördern. Bürgermeister Helmut Kritzer dankte dem Verein, der für diese Biotoppflege eine langfristig Verantwortung übernommen hat. Der "Forlenbuckel" sei nun wieder eine Landschaftsprägendes Element von den Toren Weihers. Die Forlen seien zwischenzeitlich prächtig gediehen und die Erwartungen haben sich erfüllt. Die Kombination aus Naturschutz- und Erholungsaspekt fand auf dem Forlenbuckel eine akzeptable Symbiose. Bürgermeister Helmut Kritzer wünschte dem Verein für die nächsten 10 Jahren Durchhaltevermögen, denn hier wird beispielhafte Natur- und Landschaftspflege praktiziert.

 

Vogelfreunde Weiher feiern 20-jähriges Pflegejubiläum am Forlenbuckel

biotop_2013_1Bei einer kleinen Feierstunde auf dem Forlenbuckel zog der erste Vorsitzende des Vereines, Manuel Mahl, jetzt Bilanz der 20 Jahre Arbeiten im Biotop. In über 1.900 Arbeitsstunden musste die Sanddüne "aus zweiter Hand" jährlich zweimal gemäht werden. Ganz wichtig ist es, so Mahl, das Mähgut abzufahren um dem Standort ständig Nährstoffe zu entziehen und somit die Sandrasenvegetation zu fördern.
Die Pflege des wiedergeschaffenen Biotops "Forlenbuckel" ist seit 1993 ein weiterer Schwerpunkt des Vereins zum Erhalt der Natur und Umwelt.

Für seinen Beitrag zum Umweltschutz wurde der Verein der Vogelfreunde Weiher im Jahr
1995 mit dem 4. Preis des Kreisumweltschutzpreises „Biotope aus zweiter Hand“
2005 mit dem 4. Platz des Kreisumweltschutzpreises „Trockenbiotope“
2011 mit dem „Naturschutzpreis“ des Verbandes Deutscher Waldvogelpfleger und Vogelschützer des Landesverbandes Baden Württemberg ausgezeichnet.

biotop_2013_2Bürgermeister Toni Löffler dankte dem Verein der Vogelfreunde, der für diese Biotoppflege eine langfristige Verantwortung übernommen hat. Der "Forlenbuckel" ist ein Landschaftsprägendes Element von den Toren Weihers. Die Forlen seien zwischenzeitlich prächtig gediehen und die Erwartungen haben sich erfüllt. Die Kombination aus Naturschutz- und Erholungsaspekt fand auf dem Forlenbuckel eine akzeptable Symbiose. Bürgermeister Löffler überbrachte dem Verein als Dank für seine langjährigen Arbeiten ein Präsent sowie eine Dankesurkunde und wünschte dem Verein für die nächsten Jahre Durchhaltevermögen.

 

Ab dem Jahr 2015 übernimmt die “Interessengemeinschaft Forlenbuckel” die Arbeiten am Biotop.
Die Helfer kommen zum Teil weiter aus den Reihen des Vereins der Vogelfreunde Weiher und aus Mitbürgen von Ubstadt-Weiher.

Weiter Infos findet man in Zukunft unter http://www.forlenbuckel.de/